Heute gehts wieder los.
Mit Sascha Funkes "Mango" im Ohr sitze ich an Gate C70 und hab meinen Laptopkoffer aufgeklappt. Wenige Minuten und wenige Meter trennen mich von einem Flug in die Hauptstadt.
Heute hat der Sicherheits-Check mich mal wieder überrascht - Ich führe zunächst die paranoiden Gründe auf, die mich zu der These verleiten, sie hätten mich
bereits von vorneherein im Auge gehabt:
-Die Sylvesterparty mit dem Verkleidungsmotto "Terroristen", und den Koffer, den ich dort als "Attentäter" verkleidet bis oben hin mit "Sprenstoff" (Chinaböller D zu viererpacks als "Dynamit" gebündelt ) füllte, welcher JETZT wieder mein Laptopkoffer ist.
-Die vorgestrige Quartett-Session mit Martin, Syd und dem Bruder von Martins Freundin, dem auch die Decks gehörten. Es waren zwei, einmal "Tyrannen" und einmal "Rauschgift"; herausgegeben vom Welt-Verlag wars, glaub ich. MIt Kategorien wie 'Privatvermögen' oder 'Zahl der Opfer' konnte ein Mobutu halt mal besser punkten als ein Pinochet oder beim anderen Quartett haben die Zahl der Todesopfer bei 'Nikotin' halt mal mehr öfter getrumpft als bei 'Fliegenpilz'. Als dann um drei Uhrder "Schily-kopter" zum vierten Mal über uns hinwegflog (Klettenberg) war uns sonnenklar, bei sovielen Keywords, in einem Raum, sind sie aufmerksam geworden.
Aber zurückzum Gate: Was war passiert? Ich hab meinen Mantel, Hut, Brille und Geek-Kameratsche ausgezogen und in die grauen Behälter gelegt, auf denen seitlich schlicht "BUND" gedruckt steht. Hab meinen Laptop aus dem sibernen Koffer in eine Schale gelegt, den Koffer geschlossen und bin durch die Magnetschleuse getreten, die natürlich Signal gab.
"Soll ich den Gürtel noch ausziehen?" Nein, das wäre nicht notwendig. Ich werde mit dem Handprüfgerät abgefühlt und gnaz unten bei den Durangos gibt der Checker auf: "Kommen Sie bitte mit?" Ich folge zu einer kleinen Bank und darf meine Stiefel in einen kleineren Behälter stellen, der ebenfalls durchleuchtet wird, dann muss ich die Füsse von mir strecken um zu zeigen, dass ich nicht DOCH Rasierklingen zwischen den Zehen habe oder so. In den Stiefeln war nix, ich darf mich wieder anziehen. "Jedoch, ...ach ziehen sie sich zunächst an. Aber lassen sie den Koffer noch offen bitte." Interessant, dachte ich, was kommt jetzt? "Können sie den Laptop bitte aufklappen?" Na klar ich öffne ihn. die Frau geht mit einem kleinen Papp-streifen mit einem rundenMetallnetz-Inlay über die Tastatur. "wozu ist das gut?" frage ich, denn vor mir der Mann mit Laptop musste das nicht machen. "Das ist ein Sprengstofftest. Ich bringe den Teststreifen gerade ins Büro, bitte verlassen sie den Sicherheitsbereich noch nicht und lassen sie den laptop noch draussen." Die Frau geht.
Der Fernsehturm und das Park-Inn aus der Luft
Am Duty-Free hab ich mir ne Flasche vom Southern Comfort abgegriffen und dachte guckste mal ob die deine Pflege Serie hier zwischen den Kosmetika haben, aber ich wusste nur "Homme Optimale", die Marke (Nachtrag: Payot) fiel mir nicht mehr ein. Die nette, allerdings sehr ablenkend große Ausschnitt-zeigende, Verkäuferin wollte mir jedoch viel lieber alle möglichen Dolce&Gabbana Herrendüfte auf ihre Pappstreifen sprühen. Dass ich gerade olfaktorisch nicht auf dem besten Gesundheitstand bin, war ihr genauso egal, wie dass ich mich auf meine TOP 3 Düfte bereits seit Jahren eingeschossen hatte. Ich dachte ich versuchs anders: "Ich such was für trockene Haut nach dem Rasieren, mein Produkt heisst halt soundso" Nee ham wir nicht, aber hier von der Marke "superteuerniegehört" die hat ein aftershave balm dass auch super duftet. Was macht sie?
nimmt einen Teststreifen und sprüht das Eau de Toilette auf die Pappe... "Ich bleib dann beim Southern Comfort"
Der Fernsehturm und das Park-Inn und vom Boden aus
In Berlin angekommen, bin ich zunächst am Alexanderplatz ausgestiegen und hab mein Gepäck eingeschlossen. Dort wollte ich mich mit Darius treffen. Da er noch ein bischen zu tun hat hab ich ein wenig Sightseeing gemacht und bin einmal weitläufig um das Park-Inn gelaufen, auf der Suche nach einem adäquaten Imbiß. So kam es, dass ich eine Zweigstelle der Personaldienstfirme unseres Mannes in Shanghai fand.
Den Namen der Firma konnte ich echt nicht merken, bis er diesen catchy song in seinem Reisetagebuch gepostet hatte ("Adecco - 700000 more oder so"). Mit dem Schlager im Kopf fiel mir das Schild an einem Hochhaus am Alexanderplatz sofort auf.
Ein paar Straßen weiter hab ich einen Burrito-Laden gefunden, der ein bischen aussieht wie ein Apple Store oder Ikea Schlussverkauf (von der Einrichtung her). Als ich mich vergewissert hatte, dass das Essen ohne G5 und die Music nicht von einem iPod kam war mir auch egal dass es hier für die Nischenklientel der Veganer und Vegetarier Lockangebote gab. Entscheidend war Essen und eine Steckdose für den Laptop. Das lief da so ungefär ab wie bei Subways, nur mit Burritos. Ich hab aber lieber ein "fertig zusammengestelltes" Express Menü genommen, Der Name kommt nicht von ungefähr, vilelicht mach ich von der Karte ein Photo dann könnt ihr selber rätseln. Der Kassenbon hat ne Nummer und wen auf den Tafeln mit roten LCDs die Zahl erscheint darf man sich das Essen holen.
Welche Kombination schmeckt denn überhaupt? (Klicken zum vergrößern)
Dann sind ich und Darius zusammengetroffen und sind noch ein wenig durch das verschneite berlin geschlendert. da ich für den abend den Southern Comfort aus dem Duty free mitgenommen hatte, beschlossen wir noch eine Flasche Cola und etas Backwerk fürs abendbrot aufzutreiben. Um den Alexanderplatz findet sich ein buntes potpurri der Berliner Bevölkerung, Subkulturen haben dort anscheinend ihren Höhleneingang und durchsetzen das Stadtbild mit ihrem individualismus. Manche friedlich, manche laut, die meisten in Gruppen wie selbstverständlich polarisierend.
U-Bahn Plakatwand
Der wetterunterschied zu Köln lag weniger in der Temperatur, als in der gefallenen Niederschlagsmenge. Weniger Schnee, dafür aber allenortes fast schwarz, festgetreten und glattgefroren. Wir sind durch die Hasenheide spaziert, ein bekannter Park in Berlin, fest in der Hand von ausländischen Geschäftsleuten. In der bahn zurück, die uns nach Frankfurt/Oder bringen sollte, wurden wir von einer Einsatztruppe der Polizei überrascht, die komplett mit Schäferhund mit Maulkorb und Suchtrupp die Abteile nach etwas durchkämmte, jedoch bloss die arabisch-stämmigen beiden Jugendlichen in unserem Abteil nach ihren Ausweisen befragte um dann erfolglos weiterzu"schnüffeln". So etas kannte ich nur von Reginalbahnfahrten von Mönchengladbach mit der grenznähe zu Holland. Anscheinend gibt es in Berlin/Polen ähnlichen Schmuggel...
oder bin ich wieder durch das Netz der Terrorfahnder durchgeschlüpft?